Gestern Morgen stand ich früher als sonst auf, denn meine Frau hatte Geburtstag.

Brötchen holen, den Tisch decken, Jakobs Krönung aufbrühen, Frühstück servieren usw. war geplant.

Da man in diesen Zeiten aber nicht unnötig Geschäfte aufsucht, musste auch gleich der Wochenendeinkauf mit erledigt werden.

Wir hatten uns rechtzeitig mit ausreichend Lebensmitteln versorgt, hatte doch unser Katastrophenminister vor Hamsterkäufen abgeraten. Das war für uns die ultimative Warnung gewesen, dass Lebensmittel knapp werden könnten.

Uns fehlten nur Küchenrollen. Ausgerechnet diese waren nicht auf meinem Notfallplan vermerkt gewesen.

Toilettenpapier wurde auch langsam knapp.

Also zu Aldi: Kein Klopapier, keine Küchenrollen, keine Seife, kein Backpulver, kein Mehl, das übliche ….

Also zu Edeka: Dasselbe.

Als ich mein Auto zuhause abstellte, fiel mir ein, ich könnte es ja mal beim Drogeriemarkt um die Ecke versuchen.

Hurra! Es gab Klopapier und Küchenrollen.

Je eine Großpackung geschnappt und stolz an die Kasse. Auf meine Frage, ob sie mir die Rollen als Geschenk einpacken könnte – meine Frau hätte heute Geburtstag – sah ich in genervte Augen. Gut, nur der Inhalt zählt!

Triumphierend mit hoch gereckter Packung in der einen Hand und die andere Hand zum Peace-Zeichen hoch gereckt, machte ich mich auf den Weg in unsere Wohnung.

Ein Fehler: Vor dem Geschäft lauerten schon die Schwarzhändler. „Tauschen? Wolle Rolex?“ Dabei öffnete die dubiose Person, einem Exhibitionisten gleich, eine Seite seiner Jacke. Hier hingen in einer Reihe mehrere blinkende Fälschungen dieser Nobeluhr. Nur mit Mühe konnte ich ihn abwimmeln. Weitere unanständige Angebote folgten von eilig hinzu geeilten Kollegen. Da mittlerweile auch Schnaps in den Läden zum Defizit gehört, ließ ich mich schließlich breitschlagen, eine etwas verdrückte Rolle Papier gegen eine Flasche Ouzo zu tauschen. 

Zuhause fiel es mir siedendheiß ein. Ich hatte die Blumen vergessen.

Meine Frau war total aus dem Häuschen. Das sei das schönste Geschenk seit ihrer Kindheit. Sch… auf Blumen, wir haben doch Klopapier. Vielleicht sollten wir uns heute Abend ein Blättchen extra gönnen. Es wurde ein toller Tag.

Am Abend entdeckte ich im Keller – hier lagern Sekt und Wein – eine längst vergessene Rarität: die gehäkelte Mütze für die Klopapierrolle auf der Hutablage. Sofort stopfte ich diese mit Altpapier aus (Klopapier wäre mir doch zu wertvoll gewesen) und stellte dieses edle grellbunte Stück auf die Kofferraumabdeckung unseres Golfs.

Absolut cool, man muss schließlich zeigen, was man hat.

Morgen werde ich demonstrativ langsam durch die Untertorstraße fahren, um mich gebührend bewundern zu lassen.

Der Schock kam heute Morgen. Hat doch so ein Drecksack die Heckscheibe meines Autos eingeschlagen. Die Häkelmütze lag noch in den Splittern, aber das Altpapier war weg.

Ich werde mich nach geeigneten Sicherungsmaßnahmen umsehen müssen und denke dabei an Hamsterfallen, Selbstschussanlagen und Kontaktgift. –

Schlechte Zeiten!