Der Engel-Macher

“Monster! Das sind keine Menschen. Das sind Monster!“ Schwester Birgit war fassungslos. Wer hatte der jungen Frau das angetan?
“Haben Sie das gesehen, Herr Dr. Ammersbach? Hier die Striemen am Thorax – sieht aus, als wäre sie irgendwo angebunden gewesen. Und hier – die gleichen Hämatome an den Oberschenkeln. Und – bitte schauen Sie sich das an – die Handgelenke – wundgescheuert, fast blutig. Das kann nicht vom Unfall kommen.” Schwester Birgit schüttelte den Kopf. Als erfahrene Pflegekraft erlaubte sie sich diese Diagnose. “Das sind Druckstellen. Vielleicht hat er sie sogar gefoltert?”
Mit routinierte Handgriffen befestigte sie die Elektroden auf dem Brustkorb der jungen Frau, die bewusstlos im Bett vor ihr lag. “Schauen Sie sich das an – nur noch Haut und Knochen. Sie wäre fast verhungert! Hoffentlich kriegen sie ihn!”

 

 

“Sieht schlimm aus”, gab ihr der Arzt recht. Vorsichtig nahm er die Hand seiner Patientin und stöpselte den Infusionsschlauch in die Kanüle, die in ihrem Handrücken steckte.
“Sie ist schwach, aber sie wird durchkommen”, stellte er beim Blick auf die wandernden Zacken und Wellen des Monitors fest. “Blutdruck und Kreislauf sind stabil.”
“Gott sei Dank.” Die Krankenschwester war erleichtert. “Soll ich die Polizei verständigen?”
“Hm ...”, Dr. Ammersbach kratzte sich nachdenklich am Kinn. “Lassen Sie mal. Ich bin mir da noch nicht so sicher.
Mit besorgter Miene verließ er das Krankenzimmer.
Irgendetwas stimmte nicht mit seiner neuen Patientin.

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Gewidmet meiner Tochter Bettina, die mich zu dieser Geschichte inspiriert hat.
Mein Dank gilt meinem Mann, der den Entstehungsprozess dieser Geschichte von der ersten bis zur letzten Zeile geduldig begleitet hat und mir ein kompetenter und wohlmeinender Kritiker war. Danke sagen möchte ich auch meiner Kollegin Christine, die mit ihren kreativen Fantasien die Entwicklung der Geschichte maßgeblich beeinflusst hat.

Frammersbach, im Dezember 2013