Ich erzähl´ euch die Geschichte von einem Missionar,

die ist schier unglaublich, schon fast nicht mehr wahr

doch jene, die beim Anblick von Blut erblassen

sollten jetzt für eine Weile den Raum verlassen.

 

Es begann mit der Entdeckung der wilden Memnogen

in jüngerer Zeit und wenn die Forscher nicht logen,

dann waren sie friedlich und zu jeder Zeit

für den Anderen da, äußerst hilfsbereit.

 

So entschied das bischöfliche Ordinariat,

das in solchen Dingen zu befinden hat,

daß als Missionar an diesen friedvollen Ort

Pater Oribas sollte, und zwar sofort.

 

Pater Oribas nun, wie jeder weiß,

war ein eifriger Mann und besonders heiß

liebte er die vielen Heiligengeschichten,

die vom harten Los der Märtyrer berichten.

 

In seinen Briefen, die ins Kloster kamen

nannte er seine Schäfchen bei den zärtlichsten Namen

er fand kaum die Worte, ihr Lob zu singen

wie sie gläubig an seinen Lippen hingen.

 

So sprach er zu ihnen von den großen Qualen

und er wurde nicht müde es auszumalen

wie die heiligen Märtyrer leiden mussten;

was sie klaglos taten weil sie alle wussten:

 

Daß dieser Weg, so schwer er auch war,

direkt in den Himmel führte und zwar

auf die allerersten Plätze; zum Lohne

gab es auch noch die Märtyrerkrone!

 

Er vergaß auch nicht das kleinste Detail,

vom Vierteilen, Rösten den Hieb mit dem Beil

und pries es als besondere Gnade an,

der nicht jeder teilhaftig werden kann.

 

So kam eines Tages eine Gruppe Memnogen

(sie hatten ihr Festgewand angezogen)

und warteten vor des Paters Hütte

und der Älteste äußerte seine Bitte.

 

Sprach: “Hochwürden, Gottesmann, geschätzter Pater,

den wir fast so lieben wie den himmlischen Vater

wir kamen, um dich etwas zu fragen,

bitte, wolle er uns doch die Wahrheit sagen!

 

Möchtest du nicht auch in den Himmel gelangen?“

„Ei freilich, das wäre mein höchstes Verlangen!“

„Möchtest gar am Ende ein Heiliger werden?“

„Das wäre mein größtes Glück auf Erden!“

 

Da sahen die Memnogen sich schweigend an,

bis der Älteste wieder zu sprechen begann:

„So sind wir dir, lieber Pater zu Willen

um dein Sehnen und dein Verlangen zu stillen!“

 

Sie fassten ihn sanft doch entschlossen an

und zeigten nunmehr dem frommen Mann,

was sie alles gelernt durch sein heiliges Tun

und wollten den ganzen Tag nicht ruh´n:

 

Ihm die Haut in Streifen abzuziehen,

auch taten sie sich ernsthaft bemühen

wie die Dänen beim heiligen Engelbert

ihm ein Bein abzuhacken mit einem Schwert.

 

In den Bauch, wie beim heiligen Brosius,

füllten Stroh sie und Steine, und zum Schluss

flocht man ihn noch ganz schnell auf das Rad,

was der guten Absicht keinen Abbruch tat.

 

Dann wuschen sie die Hände und weinten sehr

um den verlorenen Hirten der nun niemals mehr

zu ihnen würde sprechen so rein und klar,

weil er nun ein Heiliger geworden war.

 

Am nächsten Tag reiste der Bischof an

schrie: „Ihr Unseligen – was habt ihr getan-

wisst ihr nicht dass eure Seligkeit

verspielt und vertan ist in Ewigkeit?“

 

Sie sprachen: “Oh Bischof, das wissen wir gut,

auf und da wartet die ewige Glut.

In der Hölle da werden wir braten müssen;

nur gut dass wir dann ganz sicher wissen:

 

Dass der liebe Pater Oribas nun

durch unser Opfer auf ewig kann ruh´n

in des Himmels Freuden in göttlicher Pracht –

wir haben dieses Opfer für ihn gebracht.

 

Es war auch für uns fast kaum zu ertragen

konnten wir doch keine Fliege erschlagen

bevor der Pater zu uns kam,

den nun der Himmel zu sich nahm.

 

Auch wählten wir nur seine Lieblingstorturen

bei denen wir ganz genau so verfuhren

wie er es uns lehrte, der heilige Mann,

wir haben unser allerbestes getan!

 

Sein Schreien nahmen wir nur als ein Zeichen,

daß die körperlichen Teile es nie erreichen

so hoch wie der Geist zu steigen und drum

nahmen wir das auch nicht weiter krumm.

 

Nur beim Pfählen mochte er sich nicht entscheiden,

wollte er es vorwärts oder rückwärts erleiden.

Und beim Schlucken von glühenden Eisenpillen

zeigte er den äußersten Widerwillen.

 

In dem Bemühen, ihm Trost zu spenden

riefen wir nun mit erhobenen Händen

ihm seine Worte ins Gedächtnis zurück-

doch leider hatten wir damit kein Glück.

 

Er schrie nur als Antwort ein einziges Wort

Das wir nie zuvor gehört; und wir suchten sofort

in der Bibel danach, doch was dieses Wort betrifft –

wir fanden es nicht in der heiligen Schrift!“

 

Nach einer Geschichte von Stanislaw Lem